In die Zukunft investiert
Das Autohaus Seeger in Tübingen hat in den fast 100 Jahren seines Bestehens schon vielfach um- oder angebaut, um dem Markt gerecht zu werden. Mit der neuesten Investition geht man den nächsten Schritt in Richtung Zukunft. Gemeinsam mit Generalunternehmer Borgers setzte man ein außergewöhnliches Projekt um.
Die Geschichte des Autohauses Seeger in Tübingen ist seit jeher geprägt von Wachstum und daraus resultierend von Um-, Aus- und Neubaumaßnahmen. Seit der Firmengründung 1929 durch Friedrich Seeger hat sich das Unternehmen durch ein wachsendes Handels- und Serviceportfolio kontinuierlich vergrößert. Tankstelle, Motorradvertretung, Autoreparaturservice und Umrüstung von Fahrzeugen auf Holzgasanlagen sind nur einige Beispiele für die Geschäftstüchtigkeit des Gründers. Nachdem die Söhne Fritz und Hans Seeger den Betrieb nach dem Krieg übernahmen, folgte 1950 mit der Partnerschaft mit der damaligen Daimler-Benz AG als autorisierter Vertragshändler ein weiterer großer Schritt. Gleichzeitig wurde der Betrieb ausgebaut und modernisiert, doch schon bald wurde deutlich, dass das Gelände in der Reutlinger Straße zu klein war für das wachsende Unternehmen. So folgte zwangsläufig der Umzug auf das heutige Firmengelände in der Schaffhausenstraße, wo man seit 1962 aktiv ist. Bereits 1970 wurden Betrieb und Angebotsspektrum erneut ausgebaut. 1994 und 1995 standen weitere Ausbau- und Modernisierungsmaßnahmen an, um dem wachsenden Nutzfahrzeug-Sektor gerecht zu werden. 2002 baute man ein neues Bürogebäude unter Berücksichtigung der Corporate Identity des Daimler-Konzerns. „Heute sind wir seit 75 Jahren autorisierter Mercedes-Benz-Partner, mittlerweile für alle Sparten, also Pkw, Smart, Lkw und Busse“, so Martin Häcker, der die Geschäftsführung innehat. An seiner Seite hat mit Corinna Klein die Urenkelin des Gründers die kaufmännische Leitung des Unternehmens übernommen.
Partner für E-Busse
Der Nutzfahrzeugbereich bei Seeger hat sich über die Zeit besonders erfolgreich entwickelt, insbesondere der Bus-Service. „Im Nutzfahrzeug-Service haben wir zu 60 Prozent Busse, jeweils 20 Prozent gehen an Lkw und Transporter“, erklärt Martin Häcker. Als erster Betrieb in Deutschland hat man sich deshalb auch frühzeitig als Elektrobus-Partner unter dem Label EvoBus zertifizieren lassen. Als Daimler Truck-Partner ist Seeger selbstredend auch für den Service an Lkw, Transportern und Bussen, unabhängig von der Antriebsform, zertifiziert.
Einen weiteren Schub erwartet das Unternehmen durch die Entscheidung der Stadt Tübingen, die Busflotte zu elektrifizieren und bis übernächstes Jahr insgesamt 40 Elektrobusse von Mercedes einzusetzen. „Wir sind der einzige zertifizierte Elektrobus-Servicepartner im Umkreis. Die Stadt Tübingen hat für alle neuen elektrischen Busse einen Servicevertrag mit uns abgeschlossen mit einer Laufzeit von 12 Jahren“, berichtet Martin Häcker. So erfreulich das für das Unternehmen ist, stellte die Kooperation mit der Stadt den Betrieb jedoch vor eine neue Herausforderung. „Bei den Bussen befindet sich die Batterie im Gegensatz zu anderen Fahrzeugen immer auf dem Dach. Um sicher daran arbeiten zu können, brauchen wir fest installierte Arbeitsbühnen, die sich galerieartig in über drei Meter Höhe befinden. Unsere bisherige Lkw-Halle war dafür schlicht zu niedrig“, erklärt Martin Häcker.
Schneller Entschluss
Und so stand man erneut vor der Frage: Umbau, Ausbau oder Neubau? Nach einigen Überlegungen kam man zu dem Entschluss, die alte Halle abzureißen und eine neue zu bauen. „Es gab einige Vorgaben von der Stadt und um diesen Standard zu erreichen, führte kein Weg an einem Neubau vorbei“, so Martin Häcker. Über eine Empfehlung stieß man auf die Firma Borgers. „Nach dem Entschluss für einen Neubau stellte sich die Frage, wer das bauen kann. Ich wollte auf jeden Fall einen Generalunternehmer beauftragen, so ein Projekt stemmt man nicht neben dem normalen Tagesgeschäft“, erinnert sich Martin Häcker. Es folgte ein Treffen mit dem Borgers-Projektentwickler Jörg Ziegler: „Nach einer dreiviertel Stunde war klar, dass wir das Projekt mit Borgers durchführen wollen, das hatte alles Hand und Fuß“, so Martin Häcker. Seine Anforderung war, die größtmögliche Halle zu bauen, die auf den vorhandenen Platz passt, in Länge, Breite und vor allem in der Höhe. „Wir haben dann in der Planung das Möglichste aus dem Grundstück herausgeholt, um die vorgesehenen sechs Spuren unterzukriegen“, so Projektleiter Jörg Ziegler. Rund 1.000 Quadratmeter umfasst jetzt die Grundfläche der Halle.
Untypisch und imposant
Es folgte zunächst der Abriss der alten Halle und das Ausheben der Baugrube, in der anschließend fünf Gruben installiert wurden. „Für die fünf Gruben mit einer Länge von 22 Metern haben unsere Mitarbeiter lange geschalt und ausbetoniert. Zusätzlich wurde darin teilweise viel Technik installiert, etwa verfahrbare Radheber oder die komplette Ver- und Entsorgung der Schmierstoffe. Eine der Gruben ist außerdem mit einer Stempelhebebühne für Lkw ausgerüstet. Das war für uns keine Herausforderung, aber die Kombination aus so vielen Gruben und der Hallenhöhe war schon untypisch“, so Bauleiter Lars Hanl. „Es ist im Nutzfahrzeugbereich wichtig, dass man beide Möglichkeiten, Grube und Hebebühne, hat. Und mit Blick auf die Zukunft und dem Invest für die neue Halle haben wir uns für beides entschieden“, so Martin Häcker. Nach dem Einbau der Bodenplatte begann der außergewöhnliche Teil der Bauphase. Um die Anforderungen an die Dacharbeitsplätze erfüllen zu können, war eine Hallenhöhe von neuneinhalb Metern erforderlich. „Das ist schon imposant für eine Werkstatt, aber in diesem Falle halt notwendig“, erklärt Lars Hanl, und ergänzt: „Bei der Brandschutzwand zum Altbestand mussten wir zusätzlich über Dachhöhe gehen und kamen so sogar auf zehn Meter“. Die außergewöhnliche Höhe der Halle resultiert aus der Höhe der Busse, dem Arbeitsbereich bei Arbeiten auf dem Dach und einem vom Hersteller vorgeschriebenen Lichtbogenbereich, der für den Fall einer Havarie freigehalten werden muss. Zwei der Spuren werden mit fest eingebauten Dachständen versehen. Der Bus fährt in die gerüstähnliche Konstruktion hinein und ist dann von einer Galerie mit einer Breite von 1,20 Meter umgeben, auf der sich die Mitarbeiter absturzsicher bewegen können. Eine weitere Besonderheit, die dem Thema Elektrobusse geschuldet ist, ist der Einbau von gleich zwei Dachkränen, die in Längs- und Querrichtung verfahrbar sind. Sie dienen dem Ausbau der 400 bis 600 Kilogramm schweren Batterien vom Dach der Busse. „Ein Dachkran ist in Lkw-Werkstätten üblich, allerdings meist nur in einer Richtung verfahrbar, weil man die Lkw direkt darunter fahren kann. Bei den E-Bussen mit den ferst installierten Dachständen geht das nicht, da muss der Kran jeden Punkt ansteuern können. Mit unseren zwei Dachkränen erreichen wir jeden Punkt der Werkstatt“, so Martin Häcker.
Wasserstoff kann kommen
Weitblick zeigt man bei Seeger auch im Hinblick auf alternative Antriebsformen neben der Elektromobilität. So wurde die äußere Spur komplett in massiver Betonbauweise eingehaust und unteranderem ein Bremsenprüfstand eingebaut, so dass die separierte Spur aktuell als Prüfhalle genutzt werden kann. Sie ist jedoch so ausgelegt, dass sie mit wenigen Eingriffen, wie dem Einbau eines Ex-Schutzes, für den Service an Wasserstoff-Fahrzeugen umgerüstet werden kann. „Ob sich irgendwann die Wasserstoff-Technik durchsetzt, wissen wir nicht. Wenn, dann kommt sie aber vermutlich eher im Nutzfahrzeugbereich. Im Moment sind die Mehrkosten eher als Luxus zu sehen, aber ich sehe das als Investition in die Zukunft. Sollte Wasserstoff kommen, sind wir bereit“, erklärt Martin Häcker. Apropos Zukunft: Der Geschäftsführer sieht den Invest auch als Motivation für die Mitarbeiter: „Mit der neuen Halle entstehen Arbeitsplätze nach neuestem Standard. Dazu kommen vielfältige Weiterbildungsmaßnahmen für den Elektrobereich. Die neue Werkstatt ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in unserer Region. Man muss den Mitarbeitern und Kunden heute etwas bieten“, so Häcker. Und auch wenn er einmal in den wohlverdienten Ruhestand geht und weitere Baumaßnahmen dann eher in den Bereich der nächsten Generation fallen, ist Martin Häcker sicher: „Sollte in Zukunft eine neue Pkw-Halle anstehen, würde die Firma Seeger das wieder mit Borgers als Generalunternehmer machen“. Das Borgers-Team hat wieder einmal bewiesen, dass für die Spezialisten kein Auftrag unmöglich ist.